Das Training mit der Leine ist wohl die Königsdisziplin unter allen bekannten Übungen. Auch hier gibt es zig unterschiedliche Ansätze und Methoden und die ganze Sache ist ziemlich langwierig, gerade bei einem Hund, der sich schnell ablenken lässt. Die Leine kann dadurch auch beim Menschen ganz schön viel anrichten. Je schwerer der Hund, desto größer die Rücken- und Schulterschmerzen. Neben körperlichen Schmerzen war bei mir auch immer mehr Wut, Ärger, Gereiztheit und Frust da. Ich habe Orte gemieden, an denen Benji locker an der Leine laufen muss - was das ganze nun nicht besser gemacht hat. Aber Kopf in den Sand stecken war keine Option, also: Umdenken und Neustart. Wie auch bei allen anderen Übungen arbeiten wir mit dem Clicker.
Wie haben wir das ganze aufgebaut, wie wird geclickert, belohnt, korrigiert?
1. Zunächst solltest du dir persönlich die Frage stellen: Wie soll mein Hund laufen und auf welcher Seite? Benji läuft auf der linken Seite und auf ungefährer Höhe meiner Füße. Die Leine soll dabei immer Locker durchhängen, Blickkontakt erwarte ich ab und zu, aber nicht dauerhaft.
2. Möchtest du in verschiedenen Modi unterscheiden? Bei mir gibt es die kurze Leine, an der direkt neben mir gelaufen wird, kein Schnüffeln am Boden, am nächsten Busch oder Feldrand. Lasse ich die Leine länger, sehe ich das ganze auch lockerer. Um deinem Hund das einfacher zu machen, mache dir den Wechsel zwischen unterschiedlichen Ringen des Geschirrs oder Geschirr/Halsband zu nutze. Ist der Hund an einem bestimmten Ring oder dem Halsband festgemacht, ist konsequentes Laufen neben mir angesagt. Ansonsten locker. (Achtung: Entspannt heißt trotzdem nicht gleich ziehen)
3. Unterstützend zum Leinentraining habe ich jeden unaufgeforderten Blickkontakt von Benji mit dem Doppelklick belohnt. Das steigert die Aufmerksamkeit vom Hund.
4. Egal in welchem Modus du dich befindest: "Zieht dein Hund, bleibst du wie angewurzelt stehen und läufst erst weiter, wenn dein Hund die Leine von selbst lockert." - Diesen Satz liest man zu 99% in allen Ratgebern. Nach einer Zeit dachte ich mir: Ihr seid ja lustig, ich komme ja überhaupt nicht vom Fleck und mein Hund versteht das irgendwie überhaupt nicht. Aber doch, er versteht das, es brauch nur einfach hunderte Male konsequente, und ich meine wirklich konsequente Wiederholungen, bis dein Hund das versteht.
5. Wir widmen uns in den nächsten Schritten dem Modus: Kurze Leine, kein Schnüffeln, auf Fußhöhe laufen. Wie baue ich das auf? Ich führe den Hund mit einem Leckerei an meine direkte Seite, am besten ins Sitz. Auf mein Kommando laufen wir zusammen los. Läuft er exakt, Doppelklick+Belohnung. Zieht er danach sofort wieder nach vorne, stehen bleiben, umdrehen und wieder an den Startpunkt zurück. Das gleiche Spiel von vorne. Einfacher wird der Anfang, wenn ihr das ganze an einer Mauer oder einem Zaun übt und euren Hund zusätzlich mit Körpersprache blockiert, sobald er euch überholen will.
6. Klappt der Anfang, fangt ihr an nach 5 Schritten zu klicken und zu belohnen, wenn euer Hund auf der richtigen Höhe läuft. Die Schritte werden alle 2 Tage um einen Schritt erweitert. Wer den Beitrag zum Clickertraining gelesen hat, fragt sich sicher nun: Und was ist mit dem einfachen Klicken? Das einfache Klicken nutze ich, wenn ich merke, Benji wird ringsherum stark abgelenkt, läuft im Moment aber noch in der gewünschten Art und Weise.
Wie sieht das ganze in der Realität dann aus? - Klick (2 Sekunden warten), Klick (2 Sekunden warten), Doppelklick+Belohnung. Ich variiere die Anzahl der einfachen Klicks, um die Aufmerksamkeit zu halten. Das ganze hat mir das Training erleichtert - ist aber kein Muss.
7. Weiterhin gilt: Wird der Hund schneller als ihr, dann: Stehenbleiben, umdrehen und an den Punkt zurück, an dem es noch gut geklappt hat - dem Hund erneut die Chance zu geben, es richtig zu machen. So handhabe ich es auch an Stellen, zu denen er hinziehen will (Wiese, Stöcke, ein Hund hinter einem Zaun, ...). Seid ihr daran gut vorbeigekommen: Doppelklick+Belohnung.
Leinentraining klappt leider nicht von heute auf Morgen. Nach der Methode trainiere ich mit Benji seit etwa guten 2 Monaten. Zunächst haben wir in sehr reizschwachen Umgebungen angefangen oder wenn Benji gut ausgelastet war (beispielsweise nach der großen Gassirunde auf dem Rückweg). Merkt ihr, dass ihr und euer Hund immer sicherer werdet, steigert sich Ablenkung minimal und bleibt einen weiteren Zeitraum bei diesem Level. Nach und nach können dann auch große Ablenkungen wie Radfahrer, Passanten und andere Hunde eingebaut werden. Nach oben sind da wirklich keine Grenzen gesetzt.
Mit Geduld, viel Zeit für Training und trotz allem immer mit dem Blick auf Erfolge (mögen sie noch so klein sein) wird die Leine nicht mehr deine Emotionen kontrollieren. Viel Spaß beim Training!

